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06. Oktober 2026 · Der Mann im Kleid · 4 Min. Lesezeit · Geschichten

Nachts am Bahnhof: Schwarz und sehr hohe Stiefel

Warum ich am liebsten Schwarz trage, warum die Stiefel nicht hoch genug sein können und warum ich dafür nachts an den Bahnhof gehe. Eine ehrliche Antwort.

Beine in schwarzer Strumpfhose und spitzen schwarzen Stiefeln, übereinandergeschlagen auf einer Bank am Bahnsteig bei Nacht

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Inhaltsverzeichnis

Schwarz. Schon wieder? Ja, schon wieder.

Wer hier öfter vorbeischaut, dem ist es bestimmt aufgefallen: Wenn ich die Wahl habe, greife ich zu Schwarz. Schwarzer Lederrock, schwarze Strumpfhose, schwarze Stiefel. Und seit einiger Zeit sind die Stiefel auch noch enorm hoch. Ich werde immer wieder gefragt, warum eigentlich. Die Antwort habe ich mir lange zurechtgelegt, jetzt kommt sie. Die Bilder dazu sind übrigens nachts an einem Bahnhof entstanden. Auch dazu gleich mehr.

Warum Schwarz?

Ganz ehrlich: Weil es einfach geht. Schwarz passt zu allem, Schwarz verzeiht (fast) alles, und ich muss morgens nicht lange überlegen, ob der Rock zur Strumpfhose passt. Spoiler: Er passt.

Dazu kommt, dass Schwarz für mich nicht das „Versteck“ ist, für das es viele halten. Im Gegenteil. Ein schwarzer Lederrock mit blickdichter oder feiner Strumpfhose und spitzen Stiefeln ist ein klares Statement, nur eben ein ruhiges. Es schreit nicht. Es steht da und sagt: „Ja, das bin ich.“ Und ich hab mich in meiner Geschichte schon bunt genug ausprobiert (der neongrüne Minirock lässt grüßen). Schwarz ist die Entspannung danach.

Und ja, Schwarz macht schlank. Das behaupten zumindest alle. Ich glaube es einfach mal.

Schwarze Stiefel mit hohem Absatz, feine schwarze Strumpfhose und Lederrock auf Rillenplatten am Bahnsteig

Sehr hoch. Wirklich sehr hoch.

Dann die Stiefel. Wer einmal in richtig hohen Stiefeln gelaufen ist, weiß: Das ist ein anderer Gang. Der Rücken wird gerade, die Schritte werden kürzer und bewusster, die Beine wirken länger, und man selbst steht plötzlich anders im Raum. Ich mag dieses Gefühl enorm. Es zwingt mich, im Moment zu sein. Wer in solchen Stiefeln mit dem Handy in der Hand durch die Gegend läuft, hat entweder Übung oder ein Problem.

Gelaufen wird bei mir nicht schnell, sondern „mit Haltung“. Das heißt aber auch: Die Rillenplatten am Bahnsteig sind mein persönlicher Gegner Nummer eins. Wer schon mal mit Pfennigabsatz über Leitstreifen gestöckelt ist, weiß, was ich meine. Kleiner Tipp aus Erfahrung: Setz den Fuß lieber flach auf, als auf die Rille zu zielen.

Und mit den Beinen? Ja, die sind bei mir unrasiert, das sieht man auf den Bildern ziemlich deutlich. Ich bin da schlicht zu bequem. Eine feine Strumpfhose macht daraus keine Kunst, aber ehrlich: Es stört mich nicht. Wer es glatter mag, nimmt eine blickdichte. Ich nehme meistens, was zum Outfit passt.

Hohe schwarze Stiefel mit Stiletto-Absatz, Bein angehoben vor Metallbänken am Bahnhof

Und warum nachts?

Jetzt zum Bahnhof. Warum geht man mit solchen Outfits nachts an einen Bahnhof? Ganz einfach: Weil es dort nachts die extravaganten Outfits sind. Tagsüber ist der Bahnhof Pendlerland: Anzüge, Rucksäcke, Kaffeebecher. Nachts ist er das Gegenteil. Da laufen Menschen in Glitzer, in Lack, in Leder, in Federn, in allem, was der Abend hergibt. Und mittendrin ein Mann in schwarzem Rock und hohen Stiefeln? Fällt zwischen all dem Wahnsinn überraschend wenig auf.

Das Prinzip kenne ich schon aus dem Hotel: Wenn die Welt schläft oder abgelenkt ist, traut man sich leichter (nachzulesen in Nachts sind alle Röcke grau (blau), da ging es allerdings nur bis zum Hotelflur). Hier ist es kein Flur mit Teppich, sondern ein Bahnsteig mit Wind, Lautsprecherdurchsagen und einer Bank, die garantiert nicht für Stiefel gebaut wurde.

Und dann sitzt man da. Beine übereinandergeschlagen, Blick auf die Gleise, im Rücken die graue Wand. Das Herz schlägt zuerst ein bisschen schneller (Kopfkino!), später ganz normal. Der Zug fährt ein, Leute steigen aus, Leute steigen ein. Meistens passiert: nichts. Niemand schaut. Oder wenn doch, dann für eine halbe Sekunde, und dann geht der Blick wieder aufs Handy. Tja. Jeder ist eben mit sich selbst beschäftigt.

Übereinandergeschlagene Beine in schwarzer Strumpfhose und Stiefeln, Leopardenschal und Lederrock am Bahnsteig

Und die Moral?

Ich glaube, es ist gar nicht die Kleidung, die so viel Mut kostet. Es ist die Vorstellung davon. Ich laufe nachts in Schwarz und sehr hohen Stiefeln durch den Bahnhof und merke: Der Kopf ist schlimmer als die Welt. Die Welt dreht sich weiter. Der nächste Zug kommt sowieso.

Wenn du gerade überlegst, ob du dich traust: Such dir einen Ort, an dem es dir leichter fällt. Für mich ist das nachts der Bahnhof, für dich vielleicht ein Konzert, ein Festival oder eine Bar. Und wenn du Stiefel in größeren Größen suchst, schau mal in meinen Schuh-Guide. Dort habe ich gesammelt, wo es passende Größen gibt.

Und du? Bist du selbst der Mann, der es trägt? Oder gerne würde? Hast du einen Mann, der gerne in hohen Stiefeln unterwegs wäre? Was ist deine Farbe, wenn du dich wohlfühlen willst? Schreib es mir gern in die Kommentare, ich lese alles. In diesem Sinne: Viel Spaß da draußen.

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