Hilfe mein Mann zieht heimlich Frauenkleider an

Mein Mann zieht heimlich Frauenkleider an

Zunächst einmal herzlich willkommen im Club. Viele Männer tun das, die meisten jedoch nicht öffentlich sondern heimlich. Manche auch unheimlich gerne. Und andere wiederum mit voller Hingabe und Erfüllung.

Die Gründe dafür sind enorm vielfältig. Und doch werden sie dennoch meist auf zwei wesentliche Punkte reduziert.

Der erste Punkt ist die Geschlechtsidentität. Männer, oder allgemein Menschen, welche die Kleidung des anderen Geschlechts tragen, nennt man auch Crossdresser. Man darf sie nicht mit Transsexuellen, Homosexuellen oder Drag Queens vergleichen. Letztere tragen Frauenkleidung überzogen, bewusst karikierend und mit extremem Make-Up. Und die ersten beiden Gruppierungen haben „nur“ die Liebe zum gleichen Geschlecht entdeckt. Nichts sonst.

Wenn ein Mann in Frauenkleidung schlüpft, so zumindest meine Erfahrung, dann fühlt er sich attraktiv, lebendig und manchmal auch sexy – aber definitiv erfüllt. Die Damenkleidung gibt einfach so viel mehr her. Die Stoffe, die Farben und die Schnitte. Die Männerabteilung kann dies nicht. Denn es ist die monotone Kleidung bestehend aus hellem, meist weißem Hemd, farbiger Krawatte, dunklem Anzug und braunen oder schwarzen Anzugschuhen, welche einfach nicht anturned.

Zudem können es die sich absolut unglaublich anfühlenden Stoffe sein, die das Tragegefühl vollenden. Es ist die Kühle von Satin und Seide auf der Haut. Es ist die Enge mancher Kleidung, damit die Silhouette zum hingucken einlädt. Und es ist das schwungvolle Tänzeln des Kleid- bzw. Rocksaumes auf den Nylonstrümpfem, welches das Herz absolut hoch schlagen lässt.

Natürlich fühle ich mich in jeglicher modischer Kleidung wohl, keine Frage. Denn mir geht es sehr häufig um die Kombination. Dennoch gibt es nichts über weich fließende Blusen, eng anliegende Röcke, hohe und spitze Pumps. Auch wenn die Atmung extrem flach sein muss um die perfekte Figur vorzutäuschen. Und auch, wenn man seine Bewegung an die Kleidung anpassen muss, damit auch wirklich nichts durchspitzt.

Es ist auch vielmehr ein Ritual des sich kleidens, beginnend bei der Unterwäsche. Denn sowohl Slip als auch BH – wenn einer getragen wird – haben farblich zusammen zu passen und sind aufeinander abgestimmt. Das behutsame abrollen der Nylonstrümpfe über die Beine nach oben, fühlt sich dabei als logisch konsequenter folgender Schritt einfach gut an. Wenn farblich stimmig eine Bluse oder ein Top, bzw. Kleid gewählt wird, passt dieses selbstverständlich zu den Dingen darunter. Farblich passend erst recht, wenn selbiges leicht transparent, kurz und knapp oder durchsichtig ist. Die Wahl des Rocks als Statement komplettiert mit der richtigen Bluse oder Oberteil das gesamte Ritual. Eng und Business Like? Kurz und wagemutig? Bunt und damit ausdrucksstark? Jedenfalls ist das Finale Schließen des Reißverschlusses von Rock und Kleid mit dem sich ergebenden „zzzzip“ und dem Begutachten der sich nun ergebenden Silhouette im Spiegel eine Liebeserklärung an sich selbst. Nun noch in die passenden Treter gehüpft – auch das hineingleiten und im engen Schuh verharren ist ein sehr schöner Moment und rundet den ganzen Look ab.

Wenn ich also nun den ersten der beiden Punkte zusammenfassen darf, sind das exakt diese Dinge und Begriffe um „tief sitzend“, „eng anliegend“ oder „flach atmend“ genau die Aspekte, die meine Freundin als „Tja, wenn Mann (oder Frau) schön sein will, muss sie (oder er) eben sehr oft leiden…“ zusammenfasst.

Der zweite Punkt ist die Honosexualität. Nirgendwo steht geschrieben, dass dein Mann schwul sein muss, wenn er Frauenkleider trägt. Es ist auch keine psychische Störung. Diese nämlich ist, laut Ärzten, nur dann gegeben, wenn wirklich akut lebenseinschränkende Verhaltensweisen an der Tagesordnung sind. Sprich: es wird zum Problem im Job, Alltag oder auch in der Familie.

Am allerwichtigsten ist es für Paare, ein aufklärendes und wertschätzendes Gespräch zu suchen. So kann dieses Fable entweder toleriert, ohne das Wissen der Frau ausgelebt oder gerade eben mit ihren Wissen, wissentlich als Elemente in der Beziehung eingesetzt werden. Manche pflegen sogar Rituale und zeigen sich der Außenwelt. Da sind wir in unserer Beziehung zwar noch weit entfernt, jedoch witzeln wir des Öfteren einmal darüber, es jetzt und heute zu tun. Im privaten lebe ich es bereits aus und – je nach Tagesform und psychischer Verfassung – trage die Kleidung auch am Schreibtisch, Frühstückstisch sowie am Sofa oder wenn Familie zu Besuch kommt.

Ich rufe jetzt aber keineswegs dazu auf, jetzt deinen (oder deinen) ganzen Kleiderschrank mit dem neuen Unbekannten zu füllen. Ganz im Gegenteil. Sondern einfach zu respektieren und zuzulassen. Im Kern bleibt er nämlich immer noch der Gleiche!

Es gibt darüberhinaus übrigens keinen verletzlicheren Moment, als den, gemeinsam in Läden Kleidung herauszusuchen und anzuprobieren.

So geschehen das allererste mal kurz vor der fünften Jahreszeit. Ich weihte meine Partnerin in meine besondere Situation kaum ein paar Wochen vorher ein. Und sie genoss die Zerbrechlichkeit und die Schutzlosigkeit von mir in der Umkleide, als ich in einem schwarzen Mini-Rock und schwarzen Glitzer-Top da stand, und sie plötzlich die Umkleide mit den Worten verlies: ich hole kurz etwas tolles.

„In dem Moment ist selbst dem dümmsten klar, dass sie die Kleider wohl nicht für sich holt“, dachte ich, während ich das schwarze bauchfrei Top nervös zurecht zupfte, und versuchte länger zu machen als es ist.

Sie zog bestimmt den Vorhang zur Seite, für meinen Geschmack zu weit, und stand mit einem BH und einem roten Pailletten Glitzerkleid in den Händen vor mir.

Es war dann noch ein Abend voll Spirituosen, Damenkleidern und vor allem Posereien für die Handyfotos. Aber es war vor allem eines: ein Vertrauensbeweis.

Naja und wie soll ich sagen? Bereut haben wir beide es nie, wie du auch künftig hin und wieder in diesem Blog lesen können wirst.

Geschrieben von Der Mann Im Kleid

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