Besonderer Ausflug auf den Kiez (Teil 1/2)

Moin Hamburg, moin Highheels

Naja so ganz war es nicht. Also nicht primär das Ziel hohe Schuhe zu kaufen. Aber gewissermaßen einmal etwas wagen, stand schon auf dem Wunschzettel, als wir uns für den Urlaub in Hamburg entschieden. Aber zunächst einmal an den Anfang der Geschichte.

Und knurrte nämlich mächtig der Magen. Indisch oder mexikanisch wäre jetzt eine enorm gute Lösung! Also suchten wir fussläufig erreichbare Restaurants. Schnell wurden wir fündig und reservierten einen Tisch für zwei in einer halben Stunde.

Die Nacht war angenehm mild, sodass der kleine Spaziergang zum indischen Restaurant eine willkommene Abwechslung darstellte. Genauso wie der Beginn der Reeperbahn. Mit all seinen faszinierenden Läden, blinkenden Schildern und Klängen. Ein Laden stach dabei besonders hervor. Denn am Gehweg war es durch den weißen und sehr gut beleuchteten riesigen Eingang, enorm hell geworden. Kein aufreizendes Blinken. Kein besonders schrilles Schild. Das Geschäft stellte extravagante Kleider, neben aufreizenden Dessous und sämtlichem Spielzeug aus. Schlicht und elegant, aber dennoch auffällig. So wie ich einen entsprechenden Laden auch erwarten würde. Denn ich mag diese kleinen schmuddelig anmutenden Ecken nicht. Schon gar nicht möchte man das Gefühl bekommen etwas versautes zu betreten, wenn es um diese Themen geht. Einfach freundlich und sauber soll es wirken. Und das tat er! Fast schon blendeten die weißen Schaufenster beim Vorbeigehen.

Doch der Magen knurrte, also schnell weitergehen zur nächsten Gasse. Wir fanden das Restaurant ziemlich schnell und erhielten auch zügig einen Platz. Wir waren die ersten Besucher, doch binnen Minuten füllte sich der gesamte Raum. Kurz gesagt bekamen wir sehr, sehr leckere Speisen und Getränke, wurden von einem äußert netten Personal bedient und die Zeit verging rasch.

So kam es, dass meine Partnerin und ich uns nach dem Essen auf den Weg machten, die bunt leuchtenden Schilder der Reeperbahn zu erblicken und uns der magischen Anziehung der Lustmeile hinzugeben.

Und es ist schon faszinierend, welche Magie von diesem Ort ausgeht. Wie viele Jahrhunderte er schon die Massen amüsiert und befriedigt gleichermaßen. Von all dem Glanz und Glamour, der puren Überfüllung und Menschenflut war in der Pandemie geprägten Zeit jedoch wenig zu spüren.

Wir schlenderten also ganz ruhig und ohne Gedränge von Laden zu Laden, von Bar zu Bar bis wir plötzlich an einer Tür halt machten und in ein Erotikgeschäft gingen. Es sollte ein besonderer Besuch werden, der vom Rest des Abends jedoch ganz schnell in den Schatten gestellt werden würde.

Der Laden war klein und unscheinbar. Dennoch nicht weniger spannend. Denn meine Partnerin erblickte schnell ein ganzes Regal mit einem knallig farbigen Korsett nach dem anderen. Ich mag das enge Gefühl eingeschnürt zu sein – und sie wusste das auch! Nur war zunächst nichts in meiner Größe zu finden.

Ohne Rücksprache machte sie sich also auf zur Mitarbeiterin des Ladens um sich zu erkundigen, ob die Auswahl oder das Lager noch weitere Größen beinhalten würde. Nachdem diese wiederum fragte, für wen es wäre und welche Wünsche sie denn genau hätte, brachte meine Partnerin wortlos ein Nicken in meine Richtung entgegen. Gefolgt von den Worten, dass „das eigentlich viel mehr für ihn“ sei und welche Größe richtig wäre.

Wenn in diesem Moment ein Loch im Boden aufgegangen wäre, glaube mir, ich wäre sogar freiwillig hineingesprungen. Ernsthaft. Ich meine, einfach so preis zu geben, dass wir für mich shoppen? Vor einer anderen Person? Was mag sie nur denken? Empörung? Erstaunen? Belustigung?

Nachdem sie aber ohne mit der Wimper zu Zucken die Größe 44 – 46 empfahl, meine Statur musterte und es nochmals bestätigte, kam sie zu uns und zeigte, wo sich die großen Größen befinden würden. Wir bedankten uns schließlich und studierten die Größen.

„Hast du gemerkt?“ sagte ich, „es hat sie nicht mal interessiert oder geschweige denn gestört!“. Ob es an der Reeperbahn lag? Der Art des Shops? Oder an der Frau selbst? Jedenfalls war die Situation alles, aber nur nicht unangenehm.

Schließlich fanden wir aber keine der Größen und beschlossen, die anderen Läden zu besuchen. Denn der Kiez bot noch allerhand Möglichkeiten! So zogen wir von Geschäft zu Geschäft, leider jeweils ohne Erfolg. Keiner der Läden hatte die Auswahl, welche wir brauchten.

Doch da war ja noch dieser weiß strahlende, extrem auffallende Laden ganz vorne am Kiez. Ich hätte ihn längst vergessen, aber sie konnte sich noch bestens daran erinnern. Und was wir dort erleben sollten, stellt alles bisher mit dem Projekt und Hobby „Der Mann im Kleid“ in den Schatten. Die nächsten drei Stunden sollten aufreizend werden, elektrisierend und aufschluss- bzw. erkenntnisreich.

Geschrieben von Der Mann Im Kleid

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1 Comments

1 Kommentar

  1. Absolut cool! Dein Blog inspiriert mich so sehr. Weiter so

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